Der Junge im gestreiften Pyjama

7. Oktober 2014, 19.00 Uhr
Der Junge im gestreiften Pyjama

Dienstag,

MUSIKALISCHE LESUNG mit Roland Seiler, Rezitation und Geige

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Unmittelbar nach der „Machtergreifung“ im Januar 1933 begannen Hitler und die Nazis mit der Errichtung einer großen Zahl so genannter Konzentrationslager und ihrer ungezählten Außenstellen – das KZ Dachau, das Zigeunerlager im KZ Auschwitz waren unter den frühen Lagern.

Die meisten Versuche - und sie sind zahlreich - zu beschreiben, was in den Konzentrationslagern geschah, müssen vor der Unbeschreiblichkeit des Geschehens kapitulieren. Deshalb kommen in dieser musikalischen Lesung die Stimmen dreier Kinder und einer 17jährigen zu Wort, weil ihre unverstellte Sprache besonders deutlich macht, warum es fast unmöglich ist, diese Industrie der Gewalt und des Tötens angemessen zu beschreiben.

In dem Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ hat der irische Autor John Boyne die Figur des neunjährigen Bruno erfunden. Er ist der Sohn des Kommandanten von Auschwitz. Bruno und seine 12jährige Schwester können überhaupt nicht verstehen, was sich da vor ihren Augen hinter dem Stacheldrahtzaun abspielt.

Der Historiker Otto Dov Kulka kam als Zehnjähriger in das so genannte Familienlager in Auschwitz. Zeitlebens, bis ins hohe Alter, verfolgen ihn Bilder aus der Zeit in der Vernichtungsfabrik und vom „Todesmarsch“.

Die dritte Kinderstimme ist die des ungarischen Nobelpreisträgers Imre Kertesz. Gnadenlos schildert er Auschwitz und Buchenwald aus der Sicht als damals Vierzehnjähriger, so, dass man es fast nicht aushält, gerade weil er nicht klagt oder anklagt.

Mit 18 Jahren starb die Lyrikerin Selma Meerbaum-Eisinger im KZ Michailowka an Flecktyphus. Ihre Stimme gesellt sich zu den Stimmen der drei Jungen.

Die Musik, hier auf der Geige gespielt, ist echte Folklore der Sinti und Roma, hat also nichts zu tun mit der Zigeunermusik, wie wir sie zum Beispiel aus Operetten kennen. Diese Musik spricht, wie die Texte, ihre eigene unverwechselbare und tief berührende Sprache.


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