Jacqueline Roussety über Gröger und Filbinger

Lesung mit Jacqueline Roussety
9.7.2013, 19.00–20.30 Uhr
Staatsarchiv Ludwigsburg
Der Politiker Hans-Karl Filbinger (1913-2007) und der Soldat Walter Gröger (1923-1945) - Zwei Lebensläufe

Vergegenwärtigt man sich die zwei Lebensläufe von Walter Gröger und Hans-Karl Filbinger, deren Begegnung im März 1945 für den einen eine "politische Affäre" nach sich zieht, für den anderen den Tod bedeutet, so könnten diese nicht unterschiedlicher sein.
Als der CDU-Politiker Dr. Hans-Karl Filbinger im Jahr 1978 als Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg zurücktreten muss, steht er für die neue Generation als politische Symbolfigur für die nicht hinreichend aufgearbeitete Nazi-Vergangenheit. Der Nachkriegsgeneration erscheint er als Repräsentant des Juristenstandes, dessen Wortführer auch noch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ihre im NS-Staat praktizierte Terrorjustiz rechtfertigen oder beschönigen.
Walter Grögers Schicksal steht stellvertretend für das von 16.000 vor Militärgerichten angeklagten Soldaten und Matrosen, die sich verzweifelt gegen diesen Krieg entschieden hatten.
Als der Ministerpräsident seine verhängnisvolle Tätigkeit als NS-Marinerichter mit dem Satz "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein!" verteidigte, löste er einen der bis dato größten politischen Skandale in der Geschichte der Bundesregierung aus. Mehr als fünf Monate wurde die deutsche Öffentlichkeit durch die Affäre Filbinger/Gröger geradezu elektrisiert. Nicht nur die Vergangenheit des uneinsichtigen Politikers, sondern auch die Vergangenheit von Walter Gröger wie dessen Familie gerieten ins Licht der Öffentlichkeit.
Die Regisseurin, Schauspielerin und Autorin Jacqueline Roussety beschäftigt sich seit längerem mit dem Fall Filbinger und hat darüber in dem jüngst erschienenen Sammelband "Mit reinem Gewissen. Wehrmachtsrichter in der Bundesrepublik und ihre Opfer" einen instruktiven Essay veröffentlicht.
Eintritt: 6 € (nur Abendkasse)

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