Umfangreiches Jubiläumsprogramm nach 50 Jahren – einige Beispiele

THEATER: Die barmherzigen Leut von Martinsried von Oliver Storz – bekannt auch als Film unter dem Titel «Drei Tage im April». Eine wahre Geschichte aus Eckartshausen bei Ilshofen – verdichtet zu einem aufwühlenden und anrührenden Drama. Die Reichsbahn hatte kurz vor Kriegsende vier Güterwaggons eines SS-Sonderzuges voller KZ-Häftlinge einfach im Bahnhof stehen lassen. Die eingepferchten Menschen verhungerten und verdursteten; ihr Schreien erschreckte die Dorfbewohner. Doch keiner traute sich zu helfen. Nur die Wirtstochter Anna…

LYRIK UND MUSIK:
ROM SOM – Ich bin ein Mensch · Texte der Sinti und Roma. Anita Awosusi singt und liest Texte; die international bekannte Sinti-Jazz-Band „Romeo Franz Ensemble“ begeitet sie. Rom Som bedeutet in der Sprache der Roma „Wir sind Menschen“. Das Programm vereint Klagelieder und lyrische Texte über die Verfolgung während der Naziherrschaft mit traditionellen Liedern und literarischen Texten der Sinti und Roma aus ganz Europa.

FILMMATINÉE · PREMIERE:
Das Geheimnis der Orangenkisten · Ludwigsburg und die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen. Dokumentarfilm von Jochen Faber.
Warum kam die Zentrale Stelle nach Ludwigsburg? Wie waren die Reaktionen in der Stadt? Warum verbrachten zwei höchstrangige SS-Generale ihren Ruhestand in Freiheit in der Stadt, in der die Ermittler von NS-Verbrechen stets hinter Gefängnismauern arbeiteten? Ist es nicht besser, wenn Menschen Bausparverträge verkaufen, als fremde Länder zu überfallen? Wie veränderte sich die Haltung der Ludwigsburger zu „ihrer“ Zentralen Stelle?

VORTRAG:
Dr. Hans Erler: Freiheit, Ungehorsam und Humanität · Jüdische Denktraditionen am Beispiel der Sozialdemokratie. Dr. Hans Erler kennt als Sohn eines prominenten Sozialdemokraten und langjähriger Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung die politische Kultur der Bundesrepublik von verschiedenen Seiten. Welcher geistige Reichtum in dieser Republik fehlt, wird aus seinem Vortrag deutlich: Antisemitische Haltungen und der brutale Völkermord an Juden haben vieles zerstört und vieles verschüttet, was diesem Land gut getan hätte.

VORTRAG:
Staatsanwalt Dr. Joachim Riedel: Zwei deutsche Diktaturen und ihre strafrechtliche Aufarbeitung · So schwer die NS-Diktatur mit der DDR zu vergleichen ist – in beiden Systemen war staatliche Willkür ein bestimmendes Element. Dr. Joachim Riedel kann aus persönlicher Erfahrung vergleichen, wo Unterschiede und wo Gemeinsamkeiten der rechtsstaatlichen Aufarbeitung der jeweiligen Vergangenheit waren beziehungsweise sind: Ehe er stellvertretender Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg wurde, war er in der strafrechtlichen Aufarbeitung von DDR-Unrecht eingesetzt.

FILMREIHE:
Deutsches Kino ohne Goebbels und ohne Schwarzwaldmädel · Filme sind Waffen des Gefühls und Waffen der Vernunft – wenn sie von so hoch qualifizierten Regisseuren wie Wolfgang Staudte und Kurt Hoffmann gemacht werden. Die beiden Meister, die auch im Faschismus in der Filmindustrie beschäftigt waren, haben sich nach dessen Ende zu radikalen Aufklärern entwickelt.

„Die Mörder sind unter uns“, der erste deutsche Nachkriegsfilm (unter anderem mit Hildegard Knef als KZ-Überlebender) erzählt die Begegnung eines Kriegsheimkehrers, den die völkermörderischen Verbrechen seines Vorgesetzten an der Front traumatisiert haben, mit eben diesem Mann, der inzwischen als Fabrikant wieder ein arriviertes Mitglied der Gesellschaft ist. Arbeitstitel des großen, ebenso klugen wie gefühlsbetonten Films war: „Der Mann, den ich töten werde“.

„Wir Wunderkinder” von Kurt Hoffmann beschreibt in einer kraftvollen und bitteren Komödie Lebensläufe von der Kindheit im Kaiserreich über die Zeit im Faschismus bis zum Leben in der Bundesrepublik – dem redlichen Lebensentwurf wird der Opportunist entgegengesetzt, der in jeder Gesellschaft zu profitieren versucht. Ausgezeichnet mit dem Golden Globe und dem Deutschen Filmpreis.

„Rosen für den Staatsanwalt“ vereint nicht nur einige der besten Kabarettisten der jungen Bundesrepublik vor der Kamera, sondern zeigt auch die eben so tragische wie brüllend komische Karikatur eines Unbelehrbaren, der sich immer im Recht fühlt – egal, ob er kurz vor Kriegsende einen Gefreiten wegen Schokolade-Diebstahls zum Tod verurteilt, oder ob er in seiner neuen Position als Staatsanwalt den damals in letzter Sekunde Geretteten auszuschalten versucht.