Zeitzeugengespräch mit Ludwig Baumann

Zeitzeugengespräch mit Ludwig Baumann, Vorsitzender der "Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V."
18.6.2013, 19.00–20.30 Uhr, Staatsarchiv Ludwigsburg
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Eintritt: 6 € (nur Abendkasse)
Der 1921 in Hamburg geborene Ludwig Baumann wurde 1940 eingezogen und diente als Marinegefreiter in der deutschen Wehrmacht. 1942 floh er mit einem Kameraden aus Bordeaux von seinem Stützpunkt in Zivilkleidung. Sie wurden gefasst, vor ein Marinegericht gestellt und zum Tode verurteilt.
Nach Folterung und zehnmonatiger Haft in der Todeszelle gelang es durch den Einfluss des Vaters, eine Begnadigung auf 12 Jahre Zuchthaus zu erwirken. Baumann und sein Kamerad wurden in ein Strafbataillon versetzt, das an vorderster Front den Vormarsch der Roten Armee aufhalten sollte. Der Kamerad fiel, Baumann überlebte verwundet in einem Lazarett in Brünn.
Nach dem Krieg wurde Ludwig Baumann als Feigling und Vaterlandsverräter verachtet, obwohl er sich gegen das menschenverachtende Regime der Nazis gestellt hatte. Sogar innerhalb der Familie stieß er auf Ablehnung. Schließlich gründete er 1990 mit 37 Betroffenen die "Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V." mit dem Ziel der vollständigen Rehabilitierung von Deserteuern, Kriegsdienstverweigerern und so genannten "Wehrkraftzersetzer". Baumann bekam Drohbriefe und musste sich wieder als "Volksschädling" beschimpfen lassen. Aber das Klima in der BRD änderte sich und nach langjährigen Diskussionen hob der Bundestag die "Unrechtsurteile" der NS-Zeit auf – 2009 schließlich auch die Urteile gegen die "Kriegsverräter".