Wehrmachtrichter sprachen sich frei

7.5.2013: Eröffnung:
Frühe Selbstentlastung der Wehrmachtrichter – späte Rehabilition ihrer Opfer
Vortrag von Prof. Dr. Wolfram Wette anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Was damals Recht war..."
7.5.2013, 19.00–20.30 Uhr
Staatsarchiv Ludwigsburg
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Nicht alle Soldaten der Wehrmacht wollten auf den Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkrieges zu Mittätern werden, zumal bei Kriegsverbrechen. Nicht alle wollten dem NS-Regime bedingungslos folgen. Zuwiderhandlungen wurden in der Wehrmacht jedoch mit bedingungsloser Härte bestraft. Rund 30.000 Todesurteile und ca. 20.000 Hinrichtungen – das ist die Bilanz der Höchststrafen, die durch Wehrmachtgerichte verhängt wurden. Doch diese Zahlen beleuchten nur die Spitze des Eisberges. Denn ungezählte Verurteilte wurden mittels "Bewährung", "besonders harter Arbeit", "gefährlichem Einsatz" oder Überstellung in KZs und Lager dem wahrscheinlichen Tod ausgeliefert.
Nach dem Kriege tauchten die Wehrmachtrichter zunächst unter dem Schutzschirm der Legende von der "sauberen Wehrmacht" unter. Doch schon bald wurden viele von ihnen in den Staatsdienst der Bundesrepublik übernommen und konnten ihre Karrieren fortsetzen. Gleichzeitig taten sie sich zusammen, um ihre mörderische Tätigkeit in der NS-Zeit zu beschönigen und als rechtens darzustellen: "Was damals Recht war...". Der neue Einfluss der Angehörigen der Wehrmachtjustiz trug maßgeblich dazu bei, dass die vor 1945 verurteilten Kriegsdienstverweigerer, Wehrkraftzersetzer, Deserteure und Kriegsverräter noch jahrzehntelang als Verräter und Feiglinge denunziert wurden. Erst nach langen Auseinandersetzungen wurden sie 1998, 2002 und 2009 vom Deutschen Bundestag offiziell rehabilitiert. Das war viel zu spät – und ist dennoch ein großer geschichtspolitischer Erfolg.
Wolfram Wette, Dr. phil., Jg. 1940, Professor (em.) für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Universität Freiburg im Breisgau. In den Jahren 1971-1995 arbeitete er als Historiker am Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA). Er vertritt eine kritische Militärgeschichte und ist einer der Mitbegründer der Historischen Friedensforschung. Wette lehrte auch an den Universitäten Basel, Bern und Luzern. Er ist Ehrenprofessor der russischen Universität Lipezk, Autor der Wochenzeitung DIE ZEIT und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der "Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz".
Eintritt: frei

Die sehr bedenkenswerte Einführung zur Ausstellung von Dr. Peter Müller, dem Leiter des Ludwigsburger Staatsarchivs können Sie auf unserer Download-Seite nachlesen. Sie finden die Datei „Dr Mueller.PDF“
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Auch Prof. Wette hat dem Förderverein und seinem Publikum freundlicherweise seinen Vortrag zur Verfügung gestellt. Sie finden das entsprechende Datei „Prof Wette.PDF“
hier…
Foto: Jelka Louisa Beule